Die 10. Vesperkirche Esslingen, 25. Februar bis 18. März 2018

Text und Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger Fotohinweis: Bernd Schwemm, Stefan Möhler, Bernd Weißenborn, Eberhard Haußmann, Siegfried Bessey (v.l.) .

Herzlich Willkommen in der Vesperkirche Esslingen

täglich von 11:30 Uhr bis 14:30 Uhr

Frauenkirche Esslingen, Untere Beutau 7

 

Ökumenisches Projekt bringt die Menschen zusammen

„Die Vesperkirche soll ein Zeichen von Gastfreundschaft sein und Tischgemeinschaft für Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus ermöglichen“, sagt der Esslinger Dekan Bernd Weißenborn. Zum zehnten Mal werden vom 25. Februar bis 18. März in der Esslinger Frauenkirche die Tische für ein leckeres Mittagessen gedeckt und Menschen unter dem Motto „Gemeinsam an einem Tisch“ zur Begegnung eingeladen. Die Vesperkirche ist ein ökumenisches Projekt, das von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und dem Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen (KDV) in Kooperation mit der Katholischen und der Evangelisch-methodistischen Kirche in Esslingen sowie der Caritas Fils-Neckar-Alb getragen wird.

„Dieses Miteinander tut der Ökumene gut“, ist Stefan Möhler, Leitender Pfarrer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen, überzeugt. Durch den ehrenamtlichen Einsatz seien auch persönliche Beziehungen gewachsen. „Im Vesperkirchen-Alltag spielen Konfessionen keine große Rolle“, freut er sich. Das gemeinsame diakonische Engagement habe sich bewährt und sei zudem der Hauptauftrag der Kirchen. Auch Siegfried Bessey, der Vorsitzende des Evangelischen Gesamtkirchengemeinderates, schätzt den ökumenischen Aspekt der Vesperkirche. Ökumenisch zusammengesetzt ist auch das Dreier-Team der Tagesleitung. Außerdem steht jeden Tag ein Seelsorger zur Verfügung. Zudem wird über Beratungsdienste vor Ort informiert.

Weißenborn betont, die Vesperkirche zeige, dass ein Miteinander von Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten möglich sei. Sie sei ein Zeichen der Solidarität und wolle zur Sensibilisierung der Gesellschaft für die Tatsache beitragen, „dass es vielen Menschen in unserer reichen Gesellschaft nicht gut geht.“. Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des KDV, nennt neben der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die trotz guter Konjunktur gleichbleibend hohe Langzeitarbeitslosigkeit als zentrale Themen, die die Vesperkirche in die Gesellschaft tragen wolle. Er betonte, dass Vesperkirche nicht nur Ausdruck von Barmherzigkeit sei, sondern vor allem auch Gerechtigkeit einfordere. „Wenn der Bundestagsabgeordnete neben dem Hartz-IV-Empfänger Geschirr spült, entsteht im Miteinander ein Gespür für den anderen.“

Bis zu 570 Essen werden jeden Tag zwischen 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr in der Vesperkirche serviert. Geliefert wird das Essen – darunter auch immer ein vegetarisches Gericht - wochentags von der Kantine des Daimler-Werks Untertürkheim, am Wochenende von Dienste für Menschen in Kennenburg.

Damit in der besonderen Atmosphäre der Frauenkirche die Tische gedeckt werden können, braucht es viel Unterstützung – in Form von rund 500 Ehrenamtlichen, die bei Organisation und Aufbau, beim Anrichten des Essens, beim Servieren, Abräumen und Abspülen helfen, aber auch durch finanzielle Beiträge. Rund 90 000 Euro müssen für die Vesperkirche jährlich aufgebracht werden. Nur ein Teil finanziert sich über den Essenspreis von mindestens 1,50 Euro für ein dreigängiges Menü samt Getränken, Kaffee und Kuchen. Weil die wirklichen Kosten dafür bei rund sechs Euro liegen, werden diejenigen, die es sich leisten können, gebeten aus Solidarität mehr zu bezahlen. Außerdem tragen Spenden und Benefizveranstaltungen sowie der Verkauf von Tassen, Küchentüchern oder einer Nachbildung des Engels auf dem Turm der Frauenkirche, die das ganze Jahr über bei der Stadtinformation zu bekommen sind, zur Finanzierung bei.

„Ohne die ehrenamtlichen Helfer könnten wir die Vesperkirche nicht realisieren“, betont Bessey. Weil einige Frauen und Männer der ersten Stunde sich inzwischen altershalber zurückziehen, freut er sich umso mehr, dass sich auch junge Leute in den Dienst der guten Sache stellen: Schüler des Beruflichen Ausbildungszentrums Esslingen, Auszubildende von Firmen, aber auch andere Schulklassen verstärken immer wieder das Team. Schwemm freut sich zudem, dass sich in den letzten Jahren verstärkt auch Geflüchtete eingebracht hätten. „Sie sehen dadurch unter anderem, dass es auch in Deutschland Armut und Wohnungsnot gibt“, sagt er. Trotzdem sucht der Vesperkirchen-Leiter noch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

(Rapp-Hirrlinger)

Was ist Vesperkirche?

„gemeinsam an einem Tisch" – das leben wir in der Vesperkirche. So wird die Vesperkirche ein Ort der Begegnung für unterschiedliche Menschen. Einsame und solche, die Familie, Freunde und Bekannte haben; Flüchtlinge; Menschen, die in Armut leben oder die aus anderen Gründen „an den Rand" geraten sind; Menschen in Wohnungsnot und solche, die spüren, dass die Begegnung mit den übrigen Gästen eine Bereicherung ist, die gut tut. Die Vesperkirche kann Armut nicht abschaffen - auch nicht in Esslingen. Aber sie macht darauf aufmerksam und kann Bewusstsein dafür wecken, wo etwas im Argen liegt und wo es Chancen gibt – persönlich und politisch.

Worauf wir uns gründen!

In der Tradition der Bibel füllen wir die Vision vom Reich Gottes mit Leben und erinnern an die Parteilichkeit Gottes für die Armen. Im Neuen Testament lesen wir, dass Gott sich in Jesus denen zugewendet oder mit denen gegessen hat, die Hilfe brauchten oder am Rande der Gesellschaft lebten.

Sie sind eingeladen!

Festlich gedeckte Tische, frische Blumen, reichlich gefüllte Teller, freundliche Menschen in weißen Schürzen, offene Blicke, erlebbare Gemeinschaft für jung und alt, arm und reich – gemeinsam innehalten in der Mitte des Tages, ein Händedruck, ein freundlicher Blick, eine ermutigende Geste, satt werden an Leib und Seele.

Die Hilfe geht weiter

In unserer Stadt gibt es bereits vielseitige Hilfsangebote, über die während der Vesperkirchenzeit informiert wird. Kompetente AnsprechpartnerInnen sind da und begleiten die nächsten Schritte.

Vom 12. März bis 2. April sind in der Esslinger Frauenkirche die Tische in der Vesperkirche gedeckt. Unter dem Motto „Miteinander unterwegs - Füreinander da - Gemeinsam an einem Tisch“ begegnen sich dann wieder Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen beim Mittagessen. Ganz ausdrücklich sind auch Menschen eingeladen, denen es finanziell gut geht.

An festlich gedeckten Tischen wird ab 1,50 € ein reichhaltiges und mehrgängiges  Mittagessen, Getränke, Kaffee und Kuchen serviert.

Wer mehr bezahlen kann, wird um einen solidarischen Beitrag gebeten, denn die Kosten dafür liegen weit höher. Wir servieren täglich ein Menu im Gesamtwert von 12 €. 

Dieses Jahr werden täglich zwischen 280 und 550 Essen an die Gäste serviert.  Unter der Woche werden sie von der Kantine des Mercedes-Werks Untertürkheim, am Wochenende von Dienste für Menschen, Esslingen-Kennenburg geliefert.

Die beheizte Kirche ist zwischen 11.30 Uhr und 14.30 Uhr geöffnet.

Die Vesperkirche macht deutlich, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich eine warme Mahlzeit kaum noch leisten können. Dennoch versteht sich die Vesperkirche nicht in erster Linie als Armuts- sondern vielmehr als Begegnungsprojekt von ganz unterschiedlichen Menschen: arm oder gut situiert, einsam oder mit Familie, mit oder ohne Arbeit oder Wohnung, Jung oder Alt. „Dadurch können Menschen mehr voneinander erfahren. Gesellschaftliche Grenzen wurden durchlässig und Vertrauen kann entstehen“, sagt der evangelische Dekan Bernd Weißenborn, zugleich Vorsitzender des Kreisdiakonieverbands Esslingen.

Rund 400 Erwachsene und 200 Schüler/innen und Auszubildende als ehrenamtlich Helfende machten 2016 das Begegnungprojekt möglich und sind als Gastgeber/in für die Gäste da oder "hinter den Kulissen" tätig.

Auch Sie können ehrenamtlich mitarbeiten oder mit einer Spende helfen.

Viele weitere Unterstützer stärken der Vesperkirche den Rücken.

Für Dekan Weißenborn ist die Vesperkirche nicht nur ein Beispiel für gelebte christliche Nächstenliebe und ökumenische Zusammenarbeit, sondern auch für großes bürgerliches Engagement.

Zur Vesperkirche gehören zudem die seelsorgerliche Begleitung der Besucher durch einen Seelsorger des Tages, eine tägliche Kurzandacht, sonntägliche Gottesdienste jeweils um 10.30 Uhr.

Die Vesperkirche Esslingen, eine Initiative von

 

 

 

Kooperationspartner